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Kinder auf dem Weihnachtsmarkt wieder im Abseits

Ab Anfang November wird es auf dem Ruhfäutchenplatz für die Passanten wieder über Tage hinweg kein Durchkommen geben. Lkws werden die Fläche blockieren und insgesamt 30 Tonnen sibirische Lärche und 20 Tonnen Glassplitt anliefern. Daraus entsteht dann zum zweiten Mal nach 2009 die von der Braunschweiger Stadtmarketing GmbH (BSM) sogenannte „Burggraben-Oase“, ein Ort, der aus Sicht der BSM einen „Treffpunkt mit Lounge-Charakter“ darstellen soll.

Besondere Merkmale: Vier beschirmte Holzverschläge, in denen es für geneigte Besucher Glühwein mit Bedienung gibt, die illuminiert werden durch eine, laut BSM, „fein ausgearbeitete Effektbeleuchtung“ und in denen man beim chill-out von weihnachtsfernen Klängen beschallt wird: „…dezente Musik unterstützt den lauschigen Charakter“.

Pressemitteilung der Stadt vom 12.11.2009 

Das alles mag eine gewisse Klientel als eine wahrhaftige Bereicherung des Marktes erachten. Allerdings tut sie das, wie das letzte Jahr gezeigt hat, frühestens gegen Abend – tagsüber herrscht in der „Burggraben-Oase“ gähnende Leere. Und so werden die Kinder auch in diesem Jahr in dem 50 Meter langen Holzkonstrukt wieder alleine vor sich hin Basteln. Fern vom bunten Treiben, ohne Mandelgeruch in der Nase und ohne weihnachtliche Musik. Ein Unding, meint die BIBS-Fraktion.

BIBS-Pressemitteilung vom 19.10.2010

Streitpunkt: Oase oder Abseits, nb vom 20.10.2010

Dass es in diesem Jahr wieder so sein soll wie im letzten, hat die BIBS-Fraktion von der Verwaltung in der Jugendhilfeausschusssitzung am 2. September erfahren. Dort hatte die BIBS darauf hingewiesen, dass die Besucherzahlen der Kinder in der Werkstatt seit 2006, mit der BSM als Weihnachtsmarkt-Veranstalterin, deutlich unter Zahlen der Vorjahre zurückgeblieben seien und angefragt (Ds. 1254/10), wie die Verwaltung darauf reagieren wolle.

In ihrer Stellungnahme (Ds. 7963/10) macht es sich die Verwaltung leicht. Sie erklärt die Besucherzahlen als wetterabhängig und im Aufwärtstrend befindlich, ein Überdenken des Konzeptes als unnötig und weist darauf hin, dass man der BSM bezüglich des Weihnachtsmarktes eh nichts mehr zu sagen habe.

Letzteres stimmt auf tragische Weise. Im Weihnachtsmarkt-Übergabevertrag zwischen der Stadt Braunschweig und der BSM – vom Rat beschlossen im Dezember 2005 (Ds. 10206/05) – heißt es in § 2 klipp und klar: „Die Stadt verpflichtet sich, auf die Wahrnehmung der Aufgabe Weihnachtsmarkt durch die Gesellschaft keinen Einfluss auszuüben.“ Die Stadtmarketing-Gesellschaft kann also tatsächlich nach Belieben schalten und walten.

Im letzten Jahr hat sich die BSM bei der erstmaligen Einbeziehung des Burggrabens in den Weihnachtsmarkt entsprechend dieses Freibriefs ausgedacht, wie sie sich ihre (ästhetisch mindestens zweifelhafte) 83.000 Euro teure „Burggraben-Oase“ finanzieren lässt, wenn sich denn nicht genügend Sponsoren für diese einschneidende Neuerung begeistern lassen:

Da die BSM nur 19.000 Euro einwerben konnte, hat sie zur Deckung der Kosten einfach die Marktbeschicker zur Kasse gebeten. Zwischen 10 und 20 Prozent mehr an Standgebühren durften die in 2009 an die BSM entrichten, damit die ihr 50 Tonnen schweres Holz- und Glaskonstrukt verwirklichen konnte.

BIBS-Anfrage vom 04.12.2009
Stellungnahme der Verwaltung vom 17.12.2009

Und in diesem Jahr hat die BSM den Freibrief für eine weitere einschneidende Neuerung genutzt: Sie hat die Auswahlkriterien in den Teilnahmebestimmungen geändert.

Unter 9e ist  jetzt unter „Neue Bewerber“ neu aufgenommen worden:
„Jeweils 10% der zu vergebenden Standplätze sind bei Erfüllung der übrigen Zulassungsvoraussetzungen für Bewerber vorgesehen, die noch nie auf dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt vertreten waren, oder sich in den vergangenen drei Jahren erfolglos um eine Teilnahme am Braunschweiger Weihnachtsmarkt beworben haben.“
Klingt erst einmal nach besseren Chancen für bis dato außen vor Gebliebene. Heißt aber auch: Ganz nach gustibus kann die Stadtmarketing-Gesellschaft (zusammen mit ihrer Jury) Platz machen für Neulinge ihrer Wahl und alteingesessenen Marktbeschickern willkürlich eine Absage erteilen. Jeder zehnte darf ab jetzt Zittern.